Frankreichs scheußliches Kulturerbe

Haben wir uns nicht schon daran gewöhnt, dass Minister ihre Bürokratie nicht im Griff haben und politische Eiertänze aufführen? Frédéric Mitterrand, französischer Kultusminister, hat es zu einer Spitzenpostion unter Seinesgleichen gebracht. Die Auszeichnung des Stierkampfs zum französischen Kulturerbe durch sein Ministerium zeigt, dass der oberste Wächter der französischen Kultur die Wörter “Kultur und “Tortur” nicht auseinander halten kann. Auch weiß er offensichtlich nicht, dass das angebliche Kulturgut eine Straftat ist, die im französischen Strafrecht mit 30.000 € und zwei Jahren Gefängnis geahndet wird. Seltsamerweise setzt dieses Gesetz die Strafe aus, wenn eine “ununterbrochene lokale Tradition” nachgewiesen werden kann. Also kann in Südfrankreich der Stierkampf, obwohl das Gesetz ihn als Verbrechen ansieht, straffrei ausgeübt werden.

Die Entscheidung des Ministeriums hat in ganz Frankreich und weit über die Grenzen hinaus zu großer Empörung und einer Flut von Protesten geführt. Zahlreiche Prominente, darunter Brigitte Bardot mit einem weit beachteten Kommuniqué, äußerten gegenüber der Regierung ihr Entsetzen. Auch 60 Abgeordnete der Nationalversammlung, die vor vollendete Tatsachen gestellt wurde, zeigten ihren Unwillen und forderten eine parlamentarische Debatte.

Aufgrund der vielen Proteste ließ der Minister verlauten, dass die Auszeichnung des Stierkampfs nicht automatisch dessen Schutz und Förderung durch Subventionen bedeutet und auch nicht beabsichtigt sei, einen Antrag bei der UNESCO zur Auszeichnung als Immaterielles Weltkulturerbe zu stellen. Ganz nebenbei sickerte durch, dass nicht das Ministerium selbst dem Stierkampf die Weihen des nationalen Kulturgutes zukommen ließ, sondern eine obskure vom Ministerium beauftragte Kommission dafür verantwortlich zeichnete, die offensichtlich dem Stierkampf-Milieu nahe steht. Das Ministerium hat also die Entscheidung der Kommission nur übernommen und den Stierkampf auf seiner Webseite der Liste der französischen Kulturgüter hinzugefügt.

Anstatt sich klar von diesem skandalösen Unsinn zu distanzieren, sagte der Minister der französischen Nachrichtenagentur AFP, dass er keine besondere Sympathie für den Stierkampf, die Jagd, Tiertransporte usw. hat. Doch auf den Gedanken, die Entscheidung als ungültig zu erklären, kam er nicht. Jetzt scheint es in seinem Ministerium zu brodeln, denn der Stierkampf wurde stillschweigend von der Liste Frankreichs Kulturgüter auf der Webseite entfernt. Ein Statement des Ministeriums ist nun überfällig.

Solange keine Erklärung des Ministers erfolgt, mit dem er sich klar und deutlich von der grausamen Quälerei von Stieren im Süden seines Landes distanziert, sollten wir nicht locker lassen und weiterhin protestieren. Mit unserem Newsletter vom 23.4. gaben wir dazu einige Hinweise. Weiterhin können Sie einen Protestbrief an die französische Regierung, den Sie bei sos-galgos.net finden, kopieren. Auch einer Petition, die schon 1900 Unterschriften aufweist, können Sie sich noch anschließen. Viele von Ihnen haben uns bereits Kopien ihrer Protestbriefe geschickt. Da wir ihnen nicht allen einzeln schreiben können, danken wir hiermit für den mutigen Einsatz gegen die staatlich unterstützte Stierquälerei in Frankreich.

Besonders möchten wir noch auf die Aktionen der französischen Anti-Corrida-Organisation CRAC hinweisen, die zu einer Demonstration gegen die skandalöse Auszeichnung des ritualen Stiermords aufruft. Über 40 französische und internationale Tierschutzorganisationen haben bereits die Teilnahme am 28. Mai in Paris zugesagt. Nähere Angaben über Ort und Uhrzeit der Demo können Sie über die Kontaktseite der CRAC erfahren.

Anke und Karl Daerner

www.stop-corrida.info

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