Die Odyssee des American Bloodhound von La Cogalera

Vor vier Tagen rief mich Clara, eine unserer beiden Tierärztinnen von den CPA ganz aufgeregt an: “Carol, rate mal, wer bei Jaume ist? Rate mal! Rate mal!” Sie ließ mich gar nicht erst raten und platzte heraus: “Der American Bloodhound!!! Du erinnerst Dich doch, nicht wahr?”

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Ob ich mich an ihn erinnerte? Aber sicher doch. An diese halbverhungerte Gestalt mit Hautekzemen und Ohrenentzündung, die die trockenen Brotstücke, die wir ihm zuwarfen, förmlich aufsog, ohne zu kauen.

Siehe hierzu:

Jagdhunde

Ein Hundeleben

Sie erzählte mir ganz fröhlich, dass Jaume ihn im Wald gefunden hat, wie er sich an einem vor Tagen gerissenen Schaf zu schaffen machte. Die freilaufenden ausgehungerten Jagdhunde dieser Jäger reißen des öfteren Schafe von Jaume.

Jaume nahm ihn mit zu sich auf den Hof und versteckte ihn. Er befürchtete, dass die Jäger diesen Rassehund schnell vermissen und dann bei ihm auftauchen würden, um ihn zu suchen.

So, wie sie es schon oft getan haben. Jaume nimmt alle Hunde, die er findet zu sich nach Hause. Dann tauchen die Jäger auf, einige Male schon mit Baseballschlägern und mit vermummten Gesichtern, drangen in das Haus von Jaume ein, fanden ihre Hunde, die sie dann an Beinen, Ohren und Schwänzen hinaus bis zu ihren Wägen zerrten. Dem alten Herrn brach es jedesmal das Herz, wenn er dies mit ansehen musste.

Clara fuhr fort, dass sie Angst hätte, dass die Jäger bei Jaume auftauchen und den Bloodhound mitnehmen würden. Ja, ganz sicher. Dies würde sicher am Wochenende passieren, wenn diese Leute mal nach ihren Hunden sehen.

Wir begannen fieberhaft nachzudenken. Wohin mit ihm? Es ist ein sehr großer Hund. Den kann man nicht so ohne weiteres irgendwo unterbringen. Ich telefonierte herum und hatte binnen kurzem Glück.

Eine Bekannte, die einen Bauernhof hatte, sagte zu, ihn zwei bis drei Wochen aufzunehmen, aber unter der Bedingung, dass wir ein Zuhause für den Bloodhound suchen würden.

Aber sicher doch!!! Clara und ich waren überglücklich. Eine Pflegestelle. Toll!!! Wir verblieben für den kommenden Morgen, um den Bloodhound auf den Bauernhof zu bringen.

Da erreicht mich nachts um 24 Uhr ein Mail von meiner Bekannten, dass sie es sich überlegt hätte und nun den Hund doch nicht aufnehmen würde. Ja, zum Donnerwetter. Was nun? Um diese Uhrzeit konnte ich niemanden mehr anrufen. Aber mich kostete dieses Mail eine schlaflose Nacht.

Ich traf Clara am kommenden Morgen, erzählte ihr von der Absage, aber im gleichen Atemzug, dass wir uns sofort auf das Grundstück von Jaume begeben würden um den Hund da rauszuholen.

Zu groß war die Angst, dass da auf einmal die Jäger auftauchen und ihn mit sich schleppten. Auf der Fahrt beschlossen wir, eine Hundepension für ihn zu suchen, um ihn dort in Sicherheit zu bringen.

Noch wissen wir nicht, wie wir das bezahlen sollen, aber der Hund musste von dort verschwinden und dies so schnell wie möglich. Wir fanden eine mitten im Wald gelegene Hundepension, Els Gegants D‘ Argent. Wir regelten alles telefonisch und man würde uns erwarten.

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Einmal bei Jaume angekommen, untersuchte Clara noch schnell einige Problemfälle, die es ja bei ca. 120 Hunden immer gibt, dann legten wir dem Bloodhound eine Leine um und wollten mit ihm zum Auto.

Doch wir hatten nicht mit seinem Widerstand gerechnet. Er fühlte sich bei Jaume wohl und wollte nicht weg. Uns tat es im Herzen weh, aber er konnte dort nicht bleiben. Unmöglich. Wenn die Jäger ihn bei Jaume finden würden…….. nicht auszudenken!!!!!

Clara und Mina mussten all ihre Kräfte einsetzen, um den kräftigen Rüden außerhalb der Einzäunung zu bringen. Ab da war er dann neugierig und schnupperte herum. Wir machten ein paar Erinnerungsfotos mit ihm und dann wurde er in den Kofferraum meines kleinen SEAT Ibizas gehievt. Er passte kaum hinein und füllte den Kofferraum vollkommen aus. Diese Hunde sind wirklich große und kräftige Tiere.

Jaume kam und verabschiedete sich von seinem Gast und wünschte ihm eine glückliche Zukunft und ein schönes Zuhause. Der alte Herr hat zwar 120 Hunde, aber er liebt jeden einzelnen von ihnen. Und es entgeht ihm nicht, wenn mal einer fehlt. Kaum vorstellbar, aber es ist so.

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Auf ging es in Richtung Hundepension. Über Handy bekam ich Anweisungen, wie ich zu fahren hatte. Trotzdem verloren wir uns mitten im Wald auf diesen unzähligen, gleich aussehenden von Schlaglöchern übersäten Waldwegen.

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