Stierkampf als UNESCO-Weltkulturerbe NEIN DANKE

Der Kopf allen Übels ist der Rechtsanwalt Williams Cárdenas Rubio, Präsident der Asociación Internacional de Tauromaquia , der das Proyecto Tauromaquia de la UNESCO ins Leben gerufen hat. Er rechtfertigt das Projekt u.a. damit, dass sich die so genannte Stierkämpferkunst im Laufe von Jahrhunderten entwickelt hat, fester Bestandteil des kulturellen, sozialen und politischen Lebens sei und sich im künstlerischen und intellektuellen Leben widerspiegeln würde.

Ebenso gefährlich ist die Asociación Taurina Parlamentaria (ATP), eine Organisation spanischen Ursprungs, in der sich Abgeordnete zusammengetan haben, um den Stierkampf in den Parlamenten aller Ebenen zu verteidigen. Erst kürzlich hat der Sprecher der rechten Parti Popular im Senat Pio Garcia Escudero lautstark gefordert, die fiesta taurina durch Erklärung zum Weltkulturerbe der UNESCO zu erhalten. Neben der Asociación Taurina Parlamentaria spielt die Junta de Andalucia, die andalusische Landesregierung, eine dominierende Rolle, die sich ebenfalls mit aller Macht für das UNESCO-Projekt einsetzt.

Mit im Boot sitzt auch die Unión Latina, der 37 Staaten angehören, in denen Sprachen lateinischen Ursprungs gesprochen werden und die sich die Erhaltung des „allgemeinen Erbes“ auf die Fahnen geschrieben hat. Im April wurde von der Unión Latina in Zusammenarbeit mit der Junta de Andalucía ein Kolloquium mit dem Thema LA FIESTA DE LOS TOROS: UN PATRIMONIO INMATERIAL COMPARTIDO veranstaltet, zu dem zahlreiche gewichtige Stierkampflobbyisten zusammenkamen.

Ein Schwergewicht dieser Gruppe ist Francisco Javier López Morales. Er war von 1995 bis1999 Berater des UNESCO Welterbe-Komitees für die mexikanische Regierung. Derzeit ist er Vize-Präsident von ICOMOS International, einer Organisation, die nach eigenen Worten „eine vitale Rolle bei der Beratung der UNESCO für die Aufnahme von Projekten in die Liste des Weltkulturerbes spielt“. Weiterhin ist er Direktor des Weltkulturerbes im Nationalen Institut für Anthropologie und Geschichte seines Landes und Vertreter Mexikos beim Zwischenstaatlichen Ausschuss für den Schutz des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

Ob die Tauromachie nun wirklich zum Immateriellen Weltkulturerbe erklärt wird, ist offen. Noch wurde kein offizieller Antrag bei der UNESCO gestellt. Unklar ist auch, ob nur Spanien – als Ursprungsland des Stierkampfs – oder alle Stierkampfländer zusammen den Antrag einbringen. Die nächste Runde, bei der über die Aufnahme neuer Immaterieller Kulturgüter entschieden wird, ist bereits angekündigt. Am 31. August 2009 ist der Abgabetermin für diese Entscheidungsrunde. Dann wird es spannend, ob der Stierkampf dabei ist und wie die UNESCO später entscheiden wird. Unter den Entscheidungsträgern befinden sich viele dem Stierkampf zugeneigte Landesvertreter, die ständig von einer einflussreichen Lobby bearbeitet werden.

Fazit: Die Aktivitäten der Stierkampflobby geben zu großer Sorge Anlass, dass Tierquälerei in Form des Stierkampfs das erste Mal weltweit unter den Schutz der UNESCO gestellt wird. Die Stierkampfanhänger haben ihr Projekt planvoll und gezielt vorbereitet und mit ihren haltlosen Argumenten die UNESCO infiltriert. Ihr Optimismus ist alarmierend und zeigt, dass sie sicher sind, ihr Ziel zu erreichen.

Wir als Tierfreunde, Tierschützer, Tierrechtler oder einfach nur als Menschen mit Verantwortungsgefühl für unsere Mitkreaturen sollten nicht zulassen, dass die Barbarei des Stierkampf für ewig als Immaterielles Weltkulturerbe festgeschrieben wird und es dadurch unmöglich wird, den in den Arenen gequälten Tieren ihr grausames Los zu ersparen.

Redaktion: Martina Szyszka, Anke und Karl Daerner – unter Verwendung der Recherche, die dem Artikel Die Tauromachie klopft an die Tür der UNESCO von SOS Galgos zugrunde liegt.

Bullfighting as UNESCO-World cultural heritage NO THANKS

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