Stiergemetzel, Steuermittel-Irrsinn und traumatisierte Kinder

Seit der Abschaffung der Stierkämpfe in Katalonien ist die Welt der Stierkampfanhänger mächtig ins Wanken geraten. Auch wenn versucht wird, die Abschaffung in Katalonien zu politisieren, belegen Meinungsumfragen, dass das Interesse an Stierkämpfen und Stierspektakeln kontinuierlich in ganz Spanien sinkt. Dementsprechend groß sind die Bemühungen der Stierkampflobby ihr blutiges Geschäft am Leben zu erhalten.

Die Angst der Stierschlächter vor der anti-Stierkampfbewegung ist offensichtlich so groß, dass beim letzten Kongress der Vereinigungen der Stierkampfarenen in Sevilla beschlossen wurde, den von ihrem Präsidenten Julio Martínez gar als dunkle Mächte titulierten anti-Stierkampf Bewegungen, vereint gegenüberzutreten.

Die spanische Volkspartei (Partido Popular) hat Beschwerde gegen die Abschaffung der Stierkämpfe in Katalonien beim Verfassungsgericht eingereicht, dieser wurde am 29 November stattgegeben, es kann allerdings ein bis zwei Jahre dauern, bis eine Entscheidung ausgesprochen wird. Falls das Stierkampfverbot vor März 2012 für nichtig erklärt wird, könnten in der Stierkampfarena Monumental in Barcelona, abgesehen von den Winterpausen, ohne Unterbrechung Stierkämpfe stattfinden. Das zuvor ausgesprochene Stierkampfverbot muss erst nach einer Übergangsfrist von zwei Jahren umgesetzt werden.

Zudem arbeiten die Stierkampffanatiker unerbittlich an den Plänen, das blutige Gemetzel in ganz Spanien zum “Bien Interes Cultural“ (Kulturgut) zu erklären. Die Niederlage in Katalonien hat die Federación Taurina de Cataluña (Katalanische Verband der Stierkampfanhänger) nun veranlasst, beim Abgeordnetenkongress von Madrid ebenfalls eine Legislativa Popular, eine Bürgerinitiative, zu erwirken, um den Stierkampf in allen Provinzen Spaniens zum Kulturgut erklären zu lassen, rückwirkend zum 27. Juli 2010, um so das Stierkampfverbot für ungültig zu erklären.

Laut Federación Taurina de Cataluña, sind sowohl das Unternehmen Balañá, Eigentümer der Stierkampfarena Monumental, sowie auch Toño Matilla, der momentane Geschäftsführer, bereit an den schmutzigen Plänen zur weiteren Durchführung von Stierkämpfen in der Monumental, mitzuarbeiten. Für den 15. Dezember ist ein Treffen mit Vertretern der Asociación de Empresarios Taurinos de España, der Asociación de Profesionales Matadores de Toros, der Stierkampfzüchter und Vertretern des Mesa del Toro angesetzt, mit dem Ziel gemeinsam an den teuflischen Plänen zu wirken. Auch rechnet man mit der Unterstützung Real Federación Taurina, sowohl der spanische König als auch Prinzessin Elena sind fanatische Stierkampfanhänger und man ist zuversichtlich, sollte die Sammlung der Unterschriften im März 2011 beginnen, bis Oktober 500 000 Stimmen zu gewinnen.

Doch nicht nur dies, den Fanatikern ist offensichtlich jedes Mittel recht, um die leeren Arenen zu füllen, man fordert ein Gesetz, dass es Kindern ab 14 Jahren erlauben soll, auch ohne Begleitung Erwachsener, die blutigen Corridas zu besuchen. Erziehung zur Grausamkeit unter dem Deckmantel von Kunst und Kultur, manch einer wird sich nun fragen, wohin eine solche Erziehung führen kann.

Wie soll eine Kinderseele den Anblick des qualvollen Todeskampfes der Stiere verkraften, wenn schon Erwachsenen beim Anblick eines blutspeienden Stieres ein kalter Schauer des Entsetzens über den Rücken fährt? Laut psychologischer Gutachten kann für Kinder ein solches Erlebnis traumatisierend sein, oder aber, das Erlebte wird bagatellisiert. Der Humanist Dr. Alber Schweitzer hat es einst passend formuliert, „Jeder, der sich daran gewöhnt hat, das Leben von Lebewesen allgemein als wertlos zu betrachten, läuft Gefahr, daraus zu schließen, dass auch menschliches Leben wertlos ist”. Im Bezug auf häusliche Gewalt nimmt Spanien europaweit eine Spitzenposition ein und die Misshandlung von Hunden und Katzen ist in diesem Land allgegenwärtig. Welch ein Armutszeugnis für ein Land der Europäischen Union.

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