Schöne Ferien aber nicht für die Tiere

Wie jedes Jahr zur Ferienzeit steigt die Anzahl ausgesetzter Teire dramatisch an, die Spanischen ‚Tierheime und Perreras sind voll. Das lebendige Weihnachtsgeschenk ist nun zum Störfaktor geworden, es geht in den Urlaub, aber ohne Hund.

“DIVINA JUSTICIA” / “Göttliche Gerechtigkeit”

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Kurzfilm über das Aussetzen von Hunden, verständlich auch ohne Spanischkenntnisse.

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Er würde es niemals tun

Von Arturo Pérez-Reverte, El Semenal

Ein kleiner, hässlicher und mutiger Hütehund hielt eines Tages uns Autofahrer auf, da ein zurück gebliebenes Schaf aus seiner Herde am Straßenrand Gras fraß. Und der Hund blieb ruhig, und das mitten auf der Straße, wie ein gelassener Don Tancredo. Ohne sich zu bewegen, mit einem Auge auf die Autos und das andere auf das böse Schaf gerichtet, blieb er auf der Straße, bis das Schaf endlich die Straße überquerte. Mit einem routinierten Biss in den Hintern des Schafes ging der Hund hinterher. Und dies noch mit einem coolen Gang und mit der Befriedigung, seine Aufgabe verrichtet zu haben. Es vergingen noch drei bis vier Minuten, in denen kein einziges Hupsignal zu hören war. Beeindruckt von dem mutigen Einsatz des Tieres ließen es sich die ca. 10 Automobilisten nicht nehmen, trotz der Eile und der Ungeduld, dem Hund diese Ehrerbietung zukommen zu lassen.

Dieser Hund war ein Profi.

Es gibt viele bezeichnende und erstaunliche Geschichten über Hunde. In Lugo, zum Beispiel, lebt ein Hund, dessen Herrchen vor sieben Monaten im Krankenhaus gestorben ist, vor den Toren des Krankenhauses, nachdem er mehrere Kilometer dem Krankenwagen hinterher rannte, in der sein Herrchen transportiert wurde. Der Hund kam total erschöpft an, seine Pfoten waren von der zurückgelegten Strecke wund. Und da wartet er auch heute noch darauf, dass sein Herrchen herraus kommt. Die Krankenschwestern und die Securitas des Krankenhauses geben ihm zu Essen und pflegen ihn. Da sie nicht wissen, wie er heißt, nennen sie ihn „Calcetines“ (Socken).

Das war eine Geschichte mit einem guten Ende, aber es gibt auch andere, mit einem traurigen Ende. In Borovo Naselje, ein Dorf im ehemaligen Jugoslawien, wurde eine Frau von serbischen Soldaten vergewaltigt. Sie erzählte mir, dass die Nachbarn nicht eingriffen und der einzige, der sie zu verteidigen versuchte, ihr Hund, ein Deutscher Schäferhund, war. Er kämpfte gegen die Soldaten vor der Haustüre, in der Diele und auf der Treppe, bis die Aggressoren ihn erschossen.

Mein Hund ist ein schwarzer Labradorrüde und heißt Sombra (Schatten). Während einer langer Zeit, als ich am Abend, dünner, unrasiert und mit einem Rucksack auf dem Rücken, von einem dieser Territorien, in denen man das Geld verdiente, zurückkehrte, stürmte Sombra außer sich vor Freude in den Garten, wedelte wie verrückt mit dem Schwanz und rieb sich an meine Beine. Er legte sich auch auf den Rücken, alle vier Beine von sich gestreckt, damit ich ihn streichle.

Nie gab er ein ungelegenes Gebell vor sich, nie ein Geknurre oder eine schlechte Geste. Er blieb dort, ruhig und still, mich mit seinen dunklen und treuen Augen anschauend. Aufmerksam erwartete er einen Zuspruch oder eine Liebkosung.

Auch wenn er von einer läufigen Hündin oder seinem Instinkt für Freiheit gerufen wurde und er ausriss und er nach ein paar Stunden dreckig, durstig, müde und mit eingeklemmten Schwanz zurückkehrte, da er wusste, dass ihm eine deftige Standpauke erwartete, machte er das voller Demut. Er schaut mich dann mit seinen treuen Augen an, die einen entwaffnen. Jetzt ist er alt – 12 Jahre – und er wird bald sterben, denke ich. Er ist ein guter Hund, und ich werde ihn vermissen. Und ich bin überzeugt, dass dieser verdammte Hund es schaffen wird, mich zum weinen bringen, obwohl mir dass überhaupt nicht leicht fällt.

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