Stierkampf auf Mallorca gestern heute aber nicht morgen

Auf Mallorca gibt es vier Stierkampfarenen, die wichtigste und größte Arena, das Colisseu Balear, wo 1928 die erste Corrida stattfand, befindet sich in der Hauptstadt Palma de Mallorca, die Anderen in Inca, Muro und Alcúdia. Im vergangenen Jahr wurden 36 Stiere in den Arenen getötet, je „Corrida“ sechs Stiere.

Die Ränge der Stierkampfarenen füllen sich schon lange nicht mehr. Die Arena in Palma kann mehr als als 12.000 Zuschauer fassen, jedoch wohnten der letzten Corrida im vergangenen Jahr gerade mal 1.000 Stierkampfanhänger bei.

Juan Ignacio Codina, Mitglied der spanischen Tierschutzpartei PACMA und der Tierrechtsorganisationen AnimaNaturalis, sowie Igualdad Animal, kennt sich bestens aus mit dem Thema. Codina kandidierte am 22 Mai 2011 bei den Regional- und Kommunalwahlen in Palma und äußerte sich folgendermaßen auf die Frage, wie es möglich ist, dass trotz dieser miserablen Zuschauerzahlen, der Stierkampf aufrecht erhalten wird.

„Wie es zu verstehen ist, dass trotzdem die blutigen Spektakel fortgeführt werden? Es sollte deutlich gemacht werden, dass der spanische Staat laut Daten aus dem Jahr 2009, mehr als 550.000 Millionen an Subventionen einbringt. Man gibt diesen ungeheuerlichen Geldbetrag aus, indem man anführt, dass diese barbarischen Veranstaltungen Teil der Kultur und der spanischen Traditionen sind, trotz des Umstands, dass laut jüngster Meinungsumfragen, dreiviertel der spanischen Bevölkerung entweder gegen den Stierkampf ist, oder keinerlei Interesse an ihn hat.“

In den 60iger Jahren fanden in der Stierkampfarena von Palma noch mehr Corridas als in der berühmten Arena Las Ventas von Madrid statt, doch die Stierkampflobby und die Regierung halten trotz leerer Zuschauerränge und aller Proteste an dem blutigen Spektakel fest. Auch wenn in den Stierkampfarenen auf Mallorca pro Saison „nur“ noch 36 Stiere niedergemetztelt werden, sind dies 36 Stiere zuviel, die ihr Leben für eine zweifelhaftes Vergnügen und die Bereicherung einer Minderheit lassen müssen.

Heutzutage ist die Arena von Palma eher bekannt als Austragungsort von Konzerten, Sportveranstaltungen und auch Fernsehsendungen, wie „Wetten dass“ von Thomas Gottschalk. Eine sehr begrüßenswerte Nutzung, die zeigt, dass man durchaus ganz auf Stierkämpfe verzichten könnte, ohne dass Arbeitsplätze verloren gehen. Die letzte Show von „Wetten dass“ im vergangenen Jahr sorgte allerdings für reichlich Zündstoff, denn sie war an Geschmacklosigkeit wohl kaum zu überbieten.

Begleitet von Paso Doble und Lanzenreitern in den typischen Kostümen der Toreros, ritt Gottschalk in die Arena ein und machte so pro-Stierkampf Werbung, nicht nur vor den Zuschauern vor Ort, sondern auch vor mehr als 8 Millionen Menschen, die „Wetten dass“ am Bildschirm verfolgten. „Lassen Sie sich verzaubern von einer spanischen Nacht…Thomas Gottschalk, der Matador (Schlächter)der Showarena.“

Die Lanzenreiter traktieren bei einer Corrida den Stier mit ihren Lanzen, an deren Spitze eine 10 Zentimeter lange scharfkantige Klinge sitzt, um ihn für den „ungleichen Kampf“ zu schwächen. Immer wieder bohren sie ihre Lanzen in den Körper des Stieres, um einen hohen Blutverlust zu erwirken und die Sehnen und Muskeln dermaßen zu verletzten, damit der Stier nicht mehr richtig den Kopf heben kann und somit in seiner Wahrnehmung eingeschränkt ist. Erst danach tritt der Torero in den ungleichen Kampf und vollendet das blutige Spektakel im Namen der Kultur. Immer wieder passiert es, dass ein Stier den Schutzumhang eines Pferdes heben kann und dem Pferd mit seinen Hörnern den Bauch aufschlitzt, ein qualvoller Tod ist die Folge.

Ein solches Event mit Stierkampfrequisiten “auszuschmücken” kann man nicht mit Dummheit oder Unwissenheit entschuldigen, es war nicht die erste Sendung die hier realisiert wurde und es gab schon oft Proteste von Seiten der Tierschützer, Gottschalk wusste was er tat. Diese Gewaltverherrlichung in einem Abendprogramm war ein echtes Armutszeugnis, für “Wetten dass”, Thomas Gottschalk und alle anderen Verantwortlichen für diese Sendung.

In diesem Jahr findet die Veranstaltung vom ZDF am 18. Juni statt, Thomas Gottschalk wird zum letzten Mal die Sendung moderieren, erwartet werden wie immer hochkarätige Stars, unter ihnen Cameron Diaz, Jennifer Lopez, Sebastian Vettel, Heidi Klum und Dieter Bohlen, „Status Quo“, das Ensemble der Musicals „Rocky Horror Show“ und die zuletzt ausgezeichneten Stars von Deutschland sucht den Superstar. Bleibt zu hoffen, dass Thomas Gottschalk diesmal besseren Geschmack bei der Ausstaffierung seiner Sendung beweist.

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