Stierkampf auf Mallorca gestern heute aber nicht morgen

Um ihre Abscheu über die blutigen Stierkämpfe zum Ausdruck zu bringen, demonstrieren Juan Ignacio Codina und andere friedliche Tierrechtler nach jedem Stierkampf vor den Toren der jeweiligen Stierkampfarena. Beim letzten Stierkampf 2009 in der Arena von Palma versammelten sich 500 Demonstranten vor den Toren der Arena während noch nicht einmal 1.000 Besucher dem blutigen Spektakel in der Arena beiwohnten.

Codina ist zuversichtlich, dass auch in diesem Jahr, die Stierkampfsaison auf Mallorca beginnt am 18. Juni in Muro, sich wieder zahlreiche Menschen an den Protesten beteiligen werden. Noch vor ein paar Jahren versammelten sich gerade mal ein paar Dutzend Stierkampfgegner, doch von Jahr erhöht sich die Zahl der Demonstranten und voller Zuversicht, dass es nur noch mehr werden können, versichert er „Wir werden ein weiteres Jahr dort sein und gegen diese Barbarei protestieren.“

Als besonders traurig empfindet Juan Ignacio Codina ein Ereignis aus dem vergangenen Jahr. Die Stadt Muro kaufte die in einem ehemaligen Steinbruch angelegte Arena Monumental aus dem Jahr 1918 für 450.000 € aus Privatbesitz und sanierte sie aufwendig für 53.000 €. Die Stierkampfarena in Muro wurde 2010 zum Kulturerbe Mallorcas erklärt, seitdem wird fleißig für dieses blutige Erbe die Werbetrommel gerührt und zahlreiche Touristen füllen, oft nicht ahnend was sie erwartet, die Ränge. Die Arena fasst 6.000 Personen und ist meistens ausverkauft.

Traurig ist es ebenfalls, dass noch immer ausländische Touristen die blutigen Spektakel besuchen, auch wenn es nicht viele sind. Sei es aus purer Neugier, weil der Reiseveranstalter den Besuch einer Corrida in seinem Programm anbietet, oder aber weil sie einfach denken, es gehört bei einem Spanienbesuch dazu. Jedes Jahr halten Autobusse vor den Arenen, die Touristen ahnen meistens nicht, was ihnen bevorsteht, haben eine vollkommen falsche Vorstellung von einem Stierkampf, was nicht selten dazu führt, dass manch einer der Ahnungslosen die Arena heulend verlässt, sobald Blut fließt oder spätestens nach dem Tod des ersten Stiers, mit grausamen Bildern im Kopf, die sie wohl ihr Leben lang nicht vergessen werden. Immer wieder kommt es vor, dass der finale Dolchstoß nicht sitzt und mehrmals auf den Stier eingestochen wird, bis er kein sichtbares Lebenszeichen mehr von sich gibt, auch gibt es zahlreiche Beweisaufnahmen die zeigen, dass einem Stier bei vollem Bewusstsein die Ohren, die Trophäe eines jeden Toreros, abgeschnitten werden, wirklich kein schöner Anblick. Diejenigen die es bis zum Schluss aushalten sind nicht selten leichenblass, wenn sie den Schauplatz des Schreckens verlassen.

Juan Ignacio Codina erzählt, dass sich viele Touristen, nachdem sie sich das Infomaterial der vor den Arenen positionierten Tierrechtler angeschaut haben, gegen den Besuch einer Corrida entscheiden. Ihnen wird beim Anblick der Bilder, Nahaufnahmen die erkennen lassen, dass es wirklich blutig und grausam zugeht, bewusst, dass sie etwas wirklich Schreckliches erwartet. Im Gespräch mit den Touristen stellt sich oft heraus, dass die Hotels oder Reiseveranstalter diejenigen sind, die den Besuch einer Stierkampfveranstaltung anbieten, ohne jedoch im Geringsten darauf aufmerksam zu machen, wie blutig und brutal das Spektakel ist, aber wieso sollten sie auch, Hauptsache die Kasse stimmt.

Nicht nur in den Stierkampfarenen werden Stiere misshandelt und getötet, jedes Jahr findet in Fornalutx das „correbou“ genannte Stierspektakel statt, bei dem ein an Seilen festgebundener Stier vom Mob unter Schlägen und Fußtritten und ähnlichen gewalttätigen Attacken durch das Dorf gejagt wird. Die jungen Männer meinen, so ihren vermeintlichen Mut und ihre Männlichkeit vor dem sich hinter Absperrungen befindenden grölenden Publikum aus Jung und Alt, Einheimischen und Touristen, unter Beweis stellen zu können. Nachdem das gestresste Tier diese Demütigung überstanden und die „Belustigung“ der Menge befriedigt wurde, wird der Stier wieder verladen, zur Schlachtbank geführt und landet letztendlich im Kochtopf.

Stierkampf hat schon lange seine Daseinsberechtigung in unserer heutigen Gesellschaft verloren. Brutale Tierquälerei verborgen unter dem Deckmantel der Kultur, ist alles andere als ein schützenswertes Kulturgut. Jede Gesellschaft, jede Kultur, befindet sich im stetigen Wandel. Die stark zurückgehenden Besucherzahlen und die Probleme der Stierkampflobby Nachwuchs zu finden sprechen eine deutliche Sprache. Der Stierkampf ist dem Untergang geweiht, bzw. wäre schon längst untergegangen, würde nicht eine mächtige Stierkampflobby ihre Tentakeln überall ausbreiten und Institutionen, Rathäuser, Regierungen und Medien infiltrieren, um ihr blutiges Geschäft künstlich am Leben zuhalten.

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